Das All ist überall – und plötzlich ist ALLes möglich

Was passiert, wenn Jugendliche Raum für eigene Ideen bekommen

Eine Woche Jugendkunstschulcamp, fünf Tage Textil, 37 Jugendliche – und jede Menge Energie, Neugier und überraschende Ideen.

Vom 10. bis 14. August 2026 war ich als Dozentin beim Jugendkunstschulcamp dabei. Insgesamt 37 Jugendliche arbeiteten in verschiedenen Kunstbereichen. In meinem Textilbereich starteten wir mit sechs Teilnehmenden, wurden sieben und waren zwischendurch sogar zu acht.

Unser Thema: „Das All ist überall.“

Was das mit Textil zu tun hat? Zunächst einmal ziemlich viel – denn Textil bietet unendlich viele Möglichkeiten. Und genau darum ging es in den ersten Stunden: ausprobieren, entdecken, Fragen stellen.

Wie funktioniert Weben?
Was macht eigentlich eine Nähmaschine?
Wie geht Häkeln?

Mit einem Schnelldurchlauf durch verschiedene textile Techniken begann die Woche. Und dann konnten die Jugendlichen selbst loslegen.

Was alles zum Vorschein kam

Ein phänomenaler Hut entstand aus einem Drahtgestell, das mit Stoff überzogen wurde. Eine fein gehäkelte, sehr stylische Tasche. Stoffcollagen und Zeichnungen in wunderbaren Farbzusammenstellungen. Eine winzige Stoffkatze mit einem fein gezeichneten Gesicht.

Und dann die Sache mit dem Gürtel: Ein ganzer Tag Arbeit endete zunächst in einem totalen Fehlversuch. Eigentlich hätte das Ergebnis durchaus für Tränen der Enttäuschung sorgen können. Tat es aber nicht. Es wurde neu gedacht, neu angefangen – und schließlich entstanden daraus zwei wunderbare, tragbare Gürtel aus Stoff.

Auch eine ganze Kleiderkollektion wurde entwickelt – mit dem konkreten Ziel, sie für eine Bewerbung um einen Studienplatz einzusetzen.

Alles darf sein

Vielleicht zeigt sich darin auch, was „Das All ist überall“ für mich in dieser Woche bedeutet hat.

Nicht unbedingt, dass überall Sterne, Planeten oder Galaxien zu sehen sein müssen. Sondern was alles möglich sein darf.

Eine Idee muss nicht von Anfang an funktionieren. Ein Material darf überraschen. Ein Fehlversuch darf zum nächsten Versuch führen. Aus einem Drahtgestell kann ein Hut werden, aus Garn eine Tasche und aus Stoff eine Katze.

Gearbeitet wurde konzentriert – und das bei einer enormen Sommerhitze. In zwei Räumen und zusätzlich in der Aula wurde genäht, gehäkelt, gezeichnet, konstruiert, kombiniert und verworfen. Es wurde gefragt, ausprobiert, geholfen und weitergemacht.

Als Dozentin ist das für mich das Schönste: nicht vorzugeben, was entstehen soll, sondern einen Raum zu öffnen, in dem etwas entstehen kann.

Und dann zu erleben, was passiert, wenn Jugendliche diesen Raum wirklich nutzen.

Wow!

Wie viel Energie, Fantasie und Eigeninitiative zum Vorschein kommen, wenn junge Menschen Zeit und Raum bekommen, sich auszuprobieren.

Die Abschlusspräsentation hat genau das sichtbar gemacht. Unterschiedlichste Ideen, Materialien und Herangehensweisen standen nebeneinander – jedes Stück mit seiner eigenen Geschichte.

Fünf Tage waren dafür erstaunlich kurz.

Aber lang genug, um zu erleben, dass manchmal tatsächlich alles möglich ist.


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