tapeworks weckt Erinnerungen

Wenn Upcyling-Kunst im Gedächtnis bleibt

Ein Wochenende voller Begegnungen und guter Gespräche liegt hinter mir. Zum 20. Mal öffnete die Verkaufsausstellung Kunst & Kunsthandwerk im Alten Rathaus Esslingen ihre Türen. Das Organisationsteam hatte auch nach einem Jahr Pause der Veranstaltung im historischen Ambiente einen wunderbaren Rahmen gegeben.

Die musikalische Begleitung zur Eröffnung sorgte für eine besondere Atmosphäre. An allen drei Tagen kamen viele interessierte Besucherinnen und Besucher, die sich Zeit nahmen zum Schauen, Fragen und Entdecken.

tapeworks® ist dabei

Auf meinem Webstuhl verarbeite ich ausgediente Audio- und Videobändern gemeinsam mit hochwertigen Garnen zu neuen Geweben und Objekten. In den alten Bändern steckt mehr als Material.

Sie sind Speicher von Stimmen, Musik, Bildern und Geschichten. Mich interessiert, was daraus werden kann, wenn ich das Vorhandene in eine neue Form bringe.

„Ist ja irre!“ und „Das ist ja toll!“ Solche spontanen Reaktionen auf meine Arbeiten gab es einige. Das freut mich. Es zeigt, dass meine tapeworks® überraschen, Fragen auslösen und Menschen erreichen.

Und die Visitenkartenbox leert sich von Stunde zu Stunde.

Nicht nur neue Kontakte

Mehrere Kundinnen erinnerten sich noch an meine Arbeiten von meiner letzten Teilnahme in Esslingen vor zwei Jahren. Sie hatten die tapeworks® tatsächlich noch im Gedächtnis! Das ist ein schönes Gefühl.

Denn während sich der Erfolg einer Verkaufsausstellung oft an den Verkäufen messen lässt, zeigt sich hier etwas anderes: Arbeiten bleiben hängen. Sie wirken nach, manchmal über Jahre hinweg. Und wer weiß, vielleicht braucht es mehrere Begegnungen, bis aus dem ersten Staunen irgendwann eine Kaufentscheidung wird.

Was ist uns etwas wert?

Natürlich ist eine Verkaufsausstellung auch eine wirtschaftliche Angelegenheit. Und da wird es für meine Arbeiten kompliziert.

Gut verkauft werden häufig vertraute Dinge: Schals, Hüte, Schmuck. Produkte, deren Funktion und Wert sich schnell erschließen. Meine textilen Upcycling-Arbeiten bewegen sich dagegen auf einem anderen Terrain.

Ein Audioband als textile Oberfläche? Ein Videoband, das auf dem Webstuhl zu einem Gewebe wird? Das ist ungewöhnlich, manchmal erklärungsbedürftig und nicht unbedingt das, was man erwartet, wenn man eine Kunsthandwerksausstellung besucht.

In diesen Arbeiten steckt einiges…

…die Suche nach geeignetem Material, das Experimentieren mit Farben und Strukturen, die Verbindung unterschiedlicher Garne, die Arbeit am Webstuhl und nicht zuletzt die Idee, aus überholten Errungenschaften etwas Neues entstehen zu lassen.

Doch wie bemisst man den Wert einer Arbeit, die nicht nur Material verwandelt, sondern auch Fragen nach Erinnerung, Vergänglichkeit und unserem Umgang mit Dingen stellt?

Der materielle Aufwand lässt sich kalkulieren. Die Arbeitszeit ebenso. Schwieriger wird es bei dem, was sich nicht so leicht in Zahlen fassen lässt: die Geschichte des Materials, die künstlerische Idee, das Experiment und die Bereitschaft, sich auf etwas Ungewohntes einzulassen. Das macht die Preisfindung nicht einfacher – und den Verkauf auch nicht.

Weitermachen. Haltung bewahren.

Nach einem solchen Wochenende bleibt bei mir ein Zwischending zurück: ein bisschen Frust, aber mindestens ebenso viel Motivation.

Natürlich wünsche ich mir, dass mehr Menschen nicht nur begeistert reagieren, sondern sich auch für den Kauf einer Arbeit entscheiden. Schließlich steckt in den tapeworks viel Zeit, Handarbeit und Überzeugung.

Gleichzeitig nehme ich etwas mit, das sich nicht in der Kasse zählen lässt: neue Kontakte, interessante Gespräche und die Gewissheit, dass meine Arbeiten Menschen über Jahre hinweg in Erinnerung bleiben. Vielleicht ist genau das ein wichtiger Teil künstlerischer Arbeit. Jede Begegnung kann etwas anstoßen.

Ich arbeite weiter, mit dem, was bereits da ist. Ich gebe Materialien eine neue Form, webe Geschichten aus gespeicherten Bildern und zeige, dass textile Arbeit weit über das Vertraute hinausgehen kann.

Danke

an das neue Organisationsteam, die musikalische Begleitung, meine Mitausstellenden und alle Besucherinnen und Besucher, die sich Zeit genommen haben, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und mit mir ins Gespräch zu kommen. Und natürlich an alle, die meine Visitenkarte mitgenommen und nach Hause getragen haben.

Ich freue mich auf die nächste Begegnung!

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