Dranbleiben

Textilkunst und Kunsthandwerk aus Kassettenbändern made by tiinakirsikern

Faszination Material : Warum es sich lohnt dranzubleiben.

Jetzt ist es soweit: Mein Material geht zur Neige.

Wenn ich mich in meinem Lager umschaue, dann scheint das zunächst eine supertolle Nachricht! Denn irgendwie sind alle die Kisten und Kartons mit ihrem Inhalt auch eine Belastung.

Hast du auch ein Lager?
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Leergewebt. Foto TKern

Wie sieht es bei dir aus? Bist du wohl sortiert? Hast du deine Schatzkisten und -kästen im Blick?

Oder haben sie dich im Blick? Wer beäugt wen?

Hast du den Messie-Test schon absolviert und mal hier und da etwas wirklich Überflüssiges entsorgt? Hast du etwas in Auflösung begriffenes entmüllt?

Facebook-Gruppen, Foren, WebenPlus oder e-bay können dabei helfen. (z.B. auf Facebook der Marktplatz Handweber).

Oder du hast Glück und es geht dir wie mir:

Ich habe einen Kreativschub.

Klar. Es war Ausstellung. Und da kommt Frau nicht so gerne mit alten Sachen. Ein bisschen Frische aus Atelier und Werkstatt darf da schon sein.

So habe ich also losgelegt.

Ich habe meine Tonträger-Vorräte angegangen. Das ist für mich nicht wirklich neu. Es gibt sie noch: meine alte, ziemlich ausgedünnte Kassettenbänder-Sammlung.

Es gibt teils eigene Restbestände, teils gespendete Musik-Konserven, die ich, vermeintlich in rauen Mengen, in diversen Winkeln meines Hauses wieder ausfindig gemacht habe. Denn meine neusten Kassettenband-Projekte sind ziemlich groß dimensioniert geworden. (Zum Beispiel: Das Große Lalala.) Mittlerweile kenne ich alle Verstecke wieder und stelle fest: Nicht mehr allzu viel an Bändern da.

Demnächst : Aus!

Ende.

Schluss.

Auch noch so groß erscheinende Vorräte können mal zur Neige gehen. Es ist fast kein Material mehr da!

Was jetzt?
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Dein Beitrag für meine Material-Sammlung: Kontaktdaten

Ich sammle wieder!

Denn ich habe nicht gebunkert. Auch nicht gehamstert.

Ich habe einfach über die Jahre hinweg immer wieder ins Volle, in die Kisten gegriffen. Und ich bin drangeblieben.

Weil diese Bänder-Dinger doch so reizvoll sind. Ehemals echt wertvolles Zeug in mehrfacher Hinsicht. Ich habe meine Kassetten fleißig benutzt, gebraucht, geliebt.

Irgendwann hat sich aber etwas geändert: Kein Auto mehr mit Kassettendeck. Die Stereoanlage daheim nicht mehr in Ordnung. Der Kassettenrekorder durch zu viele Kinderhände gegangen. Die Technik hatte plötzlich neue Möglichkeiten.

Lange noch habe ich die Kassetten regelmäßig abgestaubt. Später aussortiert. In Kisten verfrachtet. Im Keller deponiert. Mit umgezogen. Wieder in die Finger genommen.

Weil die Bänder Potential haben
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Tonträger Produktion

Schon vor Jahren habe ich begonnen, die Bänder in meine textilen Entwürfe einzubeziehen. Ich baue diese schier endlos langen kunstoffenen Bänder mit ihren verschiedenfarbigen Oberflächen hier und da ein oder verwebe sie.

Das glänzt und glitzert an und in verschiedenen Produkten und Objekten in allerhand Schwarz- und Brauntönen.

In der Erinnerung bin ich ganz Ohr
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Soundchek Kassettenband

Auch die abgespeicherte Sound-Sammlung finde ich immer wieder spannend und motivierend!

Ein Abspielgerät besitze ich schon lange nicht mehr. Trotzdem springt mir während dem Handling mit dem Material immer wieder der ein oder andere Ton ins Ohr oder eine Melodie ins Hirn. Munter tummeln sich Musik in allen Farben, Vorträge, Übungsstücke, Kinderstimmen, Vorlesestücke, Radiomitschnitte, Schallplatten-Kopien auf den Bändern. Und dazwischen tönen ab und an die zugehörigen Spul- und Gerätegeräusche.

Kurz: Dieses gehaltvolle, mit Bedeutung belegte Material, diese Kassettenbänder haben für mich einen ganz eigenen Reiz. Ich werde weiter damit arbeiten. Und hoffe, dass der Koffer sich wenigstens noch einmal füllt. Damit ich dranbleiben kann.

Auf meiner Video-Seite siehst du, dass ich ganz mutig dazu übergegangen bin, Gewebe komplett aus Kassettenbändern herzustellen. Eine Zitterpartie. Aber auch ein tolles Ergebnis. Anfassen erlaubt. Erstaunlich griffig, nicht zu empfindlich, warm, federleicht!

Die Ästhetik des Materials
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2007_Installation FotoTKern

Ich pendle dabei weiter zwischen gebrauchsfähig und freier Arbeit. Zwischen tonhaltiger Stola für den Gang in die Oper (leider kein Bildmaterial vorhanden) bis zur Raum-Installation in Form eines Bänder-Vorhangs. (Besucher konnten sich in einen Leerraum innerhalb des Kassetten-Vorhangs begeben. Dort stand zum Ausgleich für die optische Soundattacke ein Gehörschutz zur Verfügung.)

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2020_Ohrenschmaus FotoTKern

Im Moment sind die Kissen für mich wieder ein Thema. Denn: Es gibt nicht genug Weiches auf der Welt.

Ich bin dran.

Ach ja: Ich habe mich mit drei meiner Arbeiten aus der laufenden Kassettenband-Upcycling-Serie für den Staatspreis Kunsthandwerk Baden-Württemberg 2020 beworben. Daumendrücken. Danke


Wer ist noch im Bewerbungs-Modus? Hier noch ein sehr brauchbarer Link: Wettbewerbe für Textilkunstschaffende https://www.etn-net.org/competitions.html

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