Der Preis der Kunst

Du machst Kunst. Schon ein Weilchen. Oder: schon lange? Für dich. Auch hin und wieder für andere. Das hat sich in deinem Bekanntenkreis herumgesprochen.

Du wurdest schon gefragt: Kann ich das kaufen? Oder: Du hast schon ein Stück verschenkt und fragst dich selber: Was hat das für einen Wert?

Oder jemand hat gefragt: Machst du so ein Stück Kunst für mich? Hast du eine Antwort darauf? Kannst du einen Preis für dein Werk nennen?

Hat (deine) Kunst einen Preis? Und wenn ja: Welchen?

Unabhängig davon, ob du dir vorstellst, vom Kunst machen leben zu können: Wie schätzt du deine Arbeit selber ein?

Unabhängig davon, ob du dir vorstellst, dass deine Arbeiten einmal in ungeahnter Preisklasse gehandelt werden könnten: Was ist deine Mindestpreisvorstellung?

Du kannst an diese Frage sehr nüchtern herangehen: Materialkosten, Zeitaufwand, der zugehörige Stundensatz angelehnt am Mindestlohn (2020 beträgt der Mindestlohn je Stunde 9,35 Euro).

Das ist eine einfache Rechnung. Probiere es aus. Her mit dem Zettel, dann drauf mit dem Ergebnsi auf ein Post-it und flugs am Werk platziert: Das sieht doch gleich ganz ansprechend aus. Oder nicht?

Passt der Preis oder passt er nicht?

Bei der einen oder anderen Arbeit wirst du feststellen, dass du, wenn du ehrlich bist, in sehr kurzer Zeit zu einem brauchbaren Ergebnis gekommen bist.

Bei einer anderen Arbeit ist nebenbei viel Müll entstanden, du hast gerade so noch die Kurve gekriegt und bist mittlerweile aber doch zufrieden mit der Kunst-Aussage.

In Stunden, also Arbeitszeit gemessen scheint dir das aber doch ganz unverhältnismäßig, unbezahlbar.

Was tun?

Post-it Nr.2 muss her. Vorher machst du dir am besten eine Liste. Deine Arbeiten: Haben Sie einen Namen? Wenn nicht, gib ihnen eine Nummer. Am besten gleich mit Entstehungsdatum. Das ist perfekt, nicht nur für die Erinnerung.

Also: Nummer, Titel, Entstehungsdatum, Material, Technik und ungefähre Größe. Gerahmt oder nicht?

Ob Excel oder analoges Notizbuch: Ergänze für dich wichtige Details wie deine Story dahinter.

Dann darfst du anfangen zu sortieren. Die Größe ist der Beste Anhaltspunkt. S, M, L, XL…

Ein anderes Ordnungselement: die Technik. Eine Bleistift-Skizze, bemalter Keilrahmen oder ein 3D-Modell? Der Foto-Druck auf Papier oder auf aufwändigem und entsprechend kostspieligem Grund?

Wenn du damit fertig bist, wird es spannend. Wieder darfst du die Arbeiten „verpreisen“.

Was machen die Zahlen mit deinem Werk oder mit dir?

Entspricht dies jetzt deinen Vorstellungen? Werden über diese Zahlen ein angemessener Wert und die zugehörige gewünschte Wertschätzung sichtbar?

Du bist bei dieser Methode kostenorientiert vorgegangen, hast aber eigentlich im Sinn des möglichen Käufers, den Anfragesteller gedacht?

Es ist ein Kunststück am Kunststück: Nicht zu teuer werden, aber preiswert bleiben!

Was hilft, ist die Orientierung bei den anderen: Guck dir das Angebot auf den Kunstplattformen im Internet an. Liegst du mit im Durchschnitt oder himmelweit drunter oder drüber?

Wenn du nicht von der Kunst lebst, kann das durchaus einen großen Unterschied machen. Du darfst dir gerne deine Gedanken darüber machen: Warum sind Originale zum Teil zu so erstaunlich günstigen Preisen auf dem Markt zu haben?

Die einfachste Erklärung: der Markt ist voll. Und: Wer Kunst macht, lebt selten davon.

Der Kunstmarkt platzt vor Angeboten

Wenn du ernsthaft mitmischen willst, dann halte dich beispielsweise an ein paar simple Regeln bei der Kundenbindung. Bleib bei deinen Listenpreisen auch wenn du nur im Bekanntenkreis damit unterwegs bist.

Wenn du deine Arbeiten gerne günstiger unter die Menschen bringen willst, dann mach das kenntlich. Unter Deckung der Gesamtkosten darfst du auch verkaufen. Aber dann sind deine Werke Spenden an die Menschheit. Mit einem Anerkennungs-Obulus.

Bedenke dabei auch: Es hilft den anderen, wenn du über deine Preisangabe angibst, was dir deine Arbeit wert ist. Das ist gut für die innere Einstellung und zwar auf beiden Seiten der Kunst.

Es ist gut für dich, weil nur du weißt wie viel Vorleben hinter dem jetzigen Ergebnis steckt, das heißt wie viel konkrete und gedankliche Arbeit du in dein Tun schon investiert hast.

Und es ist gut für den anderen, der vermutlich auf einem anderen Gebiet seine Talente hat und deshalb selten einschätzen kann, was hinter einer guten Arbeit alles steckt. Sonst würde er das, was ihm oder ihr an deiner Arbeit so attraktiv und begehrenswert erscheint auch einfach selber machen.

Mit der Nennung des Preises bist du gewissermaßen auch als Kunstvermittler tätig. Ein schöpferischer Akt ist nicht reproduzierbar. Wenn du fotografierend unterwegs bist, dann gilt das auch für dein gekonntes Abdrücken im richtigen Moment. Es gilt auch für dein Können in Sachen Bildbearbeitung und dem Wissen über Drucktechniken.

Ein Mehrfachdruck von einem guten Foto darf sein. Kennzeichne dies und lass es den Erwerber wissen.

Der ganze Gedankengang zum Thema „Preis der Kunst“ gefällt dir gar nicht?

Du hast Vorbehalte gegenüber der Idee von Vermarktung und scheust dich einen Preis zu nennen? Wenn du mit deiner Arbeit gar nicht in die Fragestellung monetärer Wertschätzung geraten willst: Bitte tatsächlich um eine Spende! Zum Beispiel für einen Verein, der in deinen Augen dringend finanzielle Unterstützung benötigt.

Wenn du dir aber vorstellst, von deiner Kunst zu leben, dann musst du noch ganz andere Komponenten mitdenken. Angefangen beim Raum, den du zum Arbeiten brauchst, den Lagerkosten, die Präsentationsformate von der Hausausstellung übers Internet bis zum Showroom, die Zeit die du in Werbung und Kommunikation investieren wirst…

Kommunikation? Was hat das mit meinem Preis für Kunst zu tun?

Ganz klar: Das wird das Thema eines nächsten Beitrags. Kunst und Kommunikation. Spannend. Weil Kommunikation auf einem gesättigten Markt einen ganz erstaunlichen Anteil an der Preisbildung leistet.

„Der Wettbewerb auf einem gesättigten Markt wird auf dem Feld der Kommunikation ausgetragen.“

vgl. Gelbrich et al., 2016 : Erfolgsfaktoren des Marketing

Ach ja: Hingehen. Zur Kunst. Zu Ausstellungen. Sich ein Bild machen. Gucken, kommunizieren.

Vernissage-Besuch in der BBK
Foto TKKern

Link-Liste

  • artprice.com Wer sich in Goldgräberstimmung versetzen lassen will: Hier findet sich Kunst von den derzeit bekanntesten KünstlerInnen gestaffelt in Nachfrage und Preisen, wie sie derzeit weltweit gehandelt werden. Geht nur über Login.
  • blitzrechner.de/kunstwerk Hier hast du einen Rechen-Helfer. Gut gemacht und schnell ausprobiert. Inclusive einer Formel zur Berechnung des so genannten Künstlerfaktors.
  • kunst-online Hier findest du alles: Die Konkurrenz mit Angebot und Preisen, gute Blogbeiträge auch mit Strategien zur Preis-Entwicklung. Gute Filterfunktionen.
  • diekunstmacher.de Keine Empfehlung zur Preisbildung. Aber ein guter Überblick, was es gibt auf dem Markt. Mach dir ein Preis-Bild.
  • rsv-fotografen.at/rechner Der Rechtsschutzverband österreichischer Fotografen bietet einen Rechner. Als Anhaltspunkt zur Preisbildung, hier: Honorare für Fotoarbeiten sehr empfehlenswert.
  • littlevangogh.de/tipps Auch hier ein paar Tipps zur Preisberechnung.

1 Kommentar

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar